Predigt „Queerche“ 22.02.2024

2024-02-23 Sarah

CN Kink

(Nächsten)Liebe queer gelesen

BDSM, Sadistmus, Masochismus, diese scheinbare Gewalttätigkeit, ist wohl das Letzte, an das man denkt, wenn es um Liebe geht. Dabei hat es sehr viel miteinander zu tun. Deshalb möchte ich dir eine kurze, persönliche Geschichte erzählen. Vielleicht kennst du ja das ein oder andere Gefühl, oder den ein oder anderen Gedanken auch aus deinem Leben.

Ich stehe in einem kleinen Raum. Vor mir ist eine Tür und daneben steht ein kleines Bänkchen. Ich ziehe mich aus und lege meine Kleidung auf dem Bänkchen ab und mit ihr meinen Alltag, den ich jetzt einfach draußen lasse. Dann öffne ich die Tür. Vor mir ist ein großer Raum. In der Mitte liegt eine große Matte, darüber hängt ein Bambusrohr von der Decke. Um die Matte herum stehen viele Kerzen, die den Raum in ein angenehmes warmes Licht tauchen. Aus der einen Ecke kommt leise Entspannungsmusik, es riecht angenehm nach Vanille und Nelken. Ich gehe in den Raum und setze mich in der Mitte auf die Matte unter den Bambus. Und ich Atme -… ganz langsam. Ich komme an, ich bin im hier und jetzt. Ich darf einfach sein.

Als ich ganz entspannt bin, kommt sie herein. Sie setzt sich mir gegenüber und schaut mich an. Wir kennen uns schon ewig und es ist, als wenn sie direkt in mein Herz schauen kann. Dann hält sie mir fragend eine Augenbinde entgegen. Ich nicke. Sie setzt sich hinter mich und legt mir die Augenbinde an. Dann nimmt sie mich in den Arm und wir Atmen gemeinsam. Ich merke, wie ich mich immer weiter fallen lassen kann, weil ich weiß und spüre, dass ich gehalten werde. Ich spüre die Liebe zwischen uns. Während wir so sitzen, es ist fast so, als wenn sich unser Herzschlag synchronisiert und wir ineinander verschmelzen. Ich könnte ewig in dieser Liebe baden.

Plötzlich setzt sie mich aufrecht hin, rückt ein kleines Stück weg von mir, legt mir meine Hände auf den Rücken und bindet sie zusammen. Dann geht sie weiter und fesselt meinen Oberkörper, mal schnell mal langsam - in ihrem Tempo aber immer mit viel Gefühl. Ich spüre, wie das Seil über meine Haut gleitet. Ich kann hören wie das Seil arbeitet und die Enden immer wieder auf den Boden fallen. Der Geruch des Juteseiles steigt mir in die Nase. Auf der einen Seite gibt mir das Seil ein Gefühl von Hilflosigkeit und das macht mir etwas Angst. Auf der Anderen Seite aber, gibt es mir Halt. Es ist wie eine feste Umarmung in die ich mich weiter fallen lassen kann. Sie hat nun alle Macht über mich und ich vertraue ihr.

Dann legt sie das Seil über den Bambus und zieht mich mit Schwung nach oben, so dass ich jetzt stehe, aufrecht, mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Jetzt zieht sie mich ganz langsam immer weiter nach oben. Ich merke, wie ich langsam den halt unter meinen Füßen verliere. Ich stehe auf den Zehenspitzen. Ich kann den Boden kaum noch spüren und kämpfe, um nicht den Halt zu verlieren. Aber egal wie sehr ich mich anstrenge, ich komme immer wieder ins wanken und verliere unweigerlich den Halt.

Aber das Seil, sie, hält mich. Nach einer gefühlten Ewigkeit in dieser ausweglosen Situation, reißt sie meine Beine nach oben und bindet sie auch am Bambus fest.

Zum Glück, nimmt sie noch ein weiteres Seil, um auch meiner Hüfte halt zu geben. Und so hänge ich nun da. Seitlich in der Waagerechten. Ich spüre den Druck der Seile an meinem Oberarm, der Hüfte und den Füßen.

Es ist unangenehm. Ich bin vollkommen hilflos, und kann die Situation nicht aus eigener Kraft verbessern. Also hoffe ich und vertraue darauf, dass sie da ist und mich rechtzeitig aus meiner misslichen Lage befreit.

Da ist sie wieder, ganz nahe und ich freue mich schon, auf die Erlösung. Aber anstatt mich zu erlösen, nimmt sie ein weiteres Seil, bindet es um meine Taille und gibt Spannung darauf. Das Seil macht es mir schwer zu Atmen. Ich muss mich voll und ganz auf meine Atmung konzentrieren, um irgendwo in meinem Körper noch eine Stelle zu finden, wo ich hin atmen kann. Mit jedem Atemzug schneidet sich das Seil immer tiefer in meine Haut und verursacht immer größere Schmerzen.

Ich bin am Ende. Ich weiß nicht, wie viel ich noch ertragen kann. Also versuche ich mich auf sie zu konzentrieren. Aber wo ist sie? Ich höre sie nicht mehr. Ich kann sie nicht mehr spüren. Hat sie mich verlassen? Ich merke, wie das Vertrauen schwindet. Die Angst in mir wächst und macht die Situation für mich immer unerträglicher.

Gerade in dem Moment, wo ich aufgeben will, streicht sie mir über den Kopf und spricht mit Mut zu. Ich merke sofort, wie viel Kraft es mir gibt zu wissen, dass sie noch da ist, dass sie mich sieht, dass sie mich hält.

Es ist noch kein kleiner Augenblick, dann fängt sie an, mich wieder zu befreien. Sie lässt mich an den Seilen langsam zu Boden ab. Ganz behutsam löst sie ein Seil nach dem anderen. Ich spüre wie ich Stück für Stück immer mehr Freiraum bekomme, wie es mir wieder leichter fällt zu atmen. Nach dem sie alle Seile entfernt hat, setzt sie sich an mein Kopfende, legt meinen Kopf in ihren Schoß und streichelt mich sanft. Ich liege da, in ihrem Schoß und werde gehalten. Ich bin ihr ganz nah und spüre all die Dankbarkeit und Liebe, die sie ausstrahlt.

Von den Strapazen gezeichnet und völlig erschöpft, aber über glücklich und auch ein wenig stolz, dass ich es durchgestanden habe, und erstaunt, wie widerstandsfähig ich sein kann, schlafe ich in ihren Armen ein.

Amen.